

Nichts gehört niemandem
Nichthaben ist nicht riskant, dachte er. Verzichte ich von vornherein darauf, etwas zu besitzen, dann liegt das nicht etwa daran, dass ich eine asketische Philosophie des Nichtbesitzens (und des Nichtbesetzens) propagiere, und auch nicht an fehlendem Stauraum, sondern es geht mir lediglich darum, billig und glatt zu vermeiden, das Erworbene jemals zu verlieren.
Im Ubrigen, nichts ist leichter, als etwas zu erwerben. Man findet etwas. Man klaut etwas. Man erbt etwas. Man leiht sich etwas, dann vergisst man, es zuruckzugeben. Man bekommt etwas geschenkt und behalt es, aus Hoflichkeit. Kaum jemand kauft etwas. Noch seltener verdient einer etwas. Selbst in diesem Fall ist er kein le gitimerer Besitzer als ein Dieb. Aber jeder vergisst, dass er etwas hat.
Kann man mehr oder besser haben?
*
“Nichts gehört niemandem eröffnet der Leserschaft schon auf den ersten Seiten alternative Räume, in denen Bücher als Möglichkeit und als Zufluchtsort existieren, und wo sie häufig gerade von jenen Menschen, die selbst nicht dem Lesen zugeneigt sind, davor bewahrt werden, der Vergessenheit anheimzufallen. Gut zu wissen, dass für jemanden das Buch noch immer ein heiliger Raum ist und es ist gut, dass aus einer solchen Fülle aus Geschichten über Bücher außerordentliche Literatur entstehen kann.”
Miroljub Stojanović
*
“Der Roman „Nichts gehört niemandem” präsentiert uns das „lautlose Regime“ einer Welt, in der Geschichte auf Flohmärkten gelehrt wird und deren älteste Institution der Markt ist. Der Erzähler dieses Romans ist zugleich ein unermüdlicher Flaneur, ein leidenschaftlicher Sammler gebrauchter Bücher, ein hartnäckiger Detektiv, der den Spuren des Zerfalls sämtlicher Versionen von Jugoslawien nachgeht, ein verlassener Liebhaber und ein verratener Freund. In seiner Einkaufstasche für den Flohmarkt finden sich ganz besondere Schätze, nämlich Tagebücher, Poesiealben, Notizzettel, Zeichnungen und Wunschlisten anonymer Autoren. Diese Artefakte, naiv, aber auch mörderisch unmittelbar, rekonstruieren eine elicate Erzählung von Einsamkeit und vom Warten eines Liebenden.”
Tatjana Rosić
- ŽanrRoman
- Izdavačeta Verlag/Kontrast, Berlin/Beograd 2024













